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Leket Israel in the Judische Allgemeine

Leket Israel in the Judische Allgemeine

JUDISCHE ALLGEMEINE – May 28, 2015. “In Israel prepared food may be repurposed to the needy – unlike, say, in Germany. So every night, to be picked up is thousands of leftover dishes from private celebrations such as weddings, Bar and Bat Mizvahs as well as companies by the umbrella organization Leket. The food is then distributed to hundreds of soup kitchens across the country, which then provide the food to the socially disadvantaged.” (Free Translation) Read the full article in German here:
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Spätestens seit der Milky-Affäre weiß jeder: Lebensmittel in Israel sind teuer. Damals hatte ein nach Berlin ausgewanderter Israeli Preise in deutschen Discountern denen in seiner ehemaligen Heimat gegenübergestellt. Als Beispiel hob er die Preise für Schokoladenpudding hervor. Jetzt zeigt ein Bericht des staatlichen Kontrolleurs Joseph Schapira, dass die Lebensmittel nicht nur zu teuer sind, sondern zudem in Milliardenhöhe verschwendet werden.

Jedes Jahr werden Nahrungsmittel im Wert von etwa 24 Milliarden Schekeln vernichtet, fand Schapiras Studie heraus. Das sind rund 5,6 Milliarden Euro. Eigentlich sollten diese Zahlen besonders vor dem Hintergrund schockieren, dass sich viele Israelis nicht genug zu essen leisten können.

Wenn Menschen wegen ihrer zu knappen Mittel den Kauf von Essen einschränken müssen, tritt »Lebensmittelunsicherheit« ein, wie Ökonomen und Soziologen das Phänomen bezeichnen. Doch die Verschwendung und Vernichtung von Essen hat offenbar so wenige interessiert, dass sich vor dem jüngsten Bericht niemand des Problems angenommen hat. Die Regierung habe in dieser Beziehung gründlich versagt, resümiert Schapira.

Überschuss So verfüge das Landwirtschaftsministerium beispielsweise über keine offizielle Richtlinie zum Umgang mit Überschussproduktion. Jeder Hersteller vernichtet das, was er zu viel geerntet hat, nach eigenem Gutdünken. Dadurch werden Tausende Tonnen gutes Obst und Gemüse jährlich auf die Müllkippen gekarrt. Ein fragwürdiger Umgang, den das Ministerium in einer Stellungnahme zugibt: »Wir mischen uns nicht in den freien Markt ein, sondern liefern lediglich Informationen zu Großmarktpreisen. Aber es stimmt, dass rechtswidrig Essen vernichtet wird.«

Zudem tragen die strengen Kaschrutgesetze dazu bei, dass einwandfreie Nahrungsmittel zerstört werden. Durch die Intervention der Kaschrut-Kontrolleure werden ein bis zwei Prozent der frischen Waren weggeworfen. Jeden Tag.

Ein fataler Fehler, wie Schapira den Verantwortlichen attestiert. Stattdessen könnten all diese Lebensmittel dazu verwendet werden, den Hunger der Armen im Land zu lindern. Derselben Meinung ist Eran Weintrob. Der Chef der Wohltätigkeitsorganisation Latet sagt: »Wir verlangen bereits seit zehn Jahren eine nationale Initiative für die Lebensmittelsicherheit. Dabei könnten ausnahmslos existierende Nahrungsmittel verwendet werden. Wir würden Essen im Wert von Hunderten von Millionen Schekeln an die Bedürftigen verteilen.«

Wobei in Israel – anders als etwa in Deutschland – immerhin bereits zubereitete Speisen an Bedürftige weitergegeben werden dürfen. So werden jeden Abend Tausende übrig gebliebener Gerichte von Privatfeiern wie Hochzeiten, Bar- und Batmizwas sowie bei Firmen von der Dachorganisation Leket abgeholt und an die Hunderten von Suppenküchen im ganzen Land verteilt, die das Essen dann an sozial Schwache ausgeben.

Auch sei die Belastung für die Umwelt durch die Verschwendung immens, fasst der Schapira-Bericht zusammen. Fast alle weggeworfenen Lebensmittel würden auf den ohnehin schon überdimensionierten Müllhalden landen. Die Strauss-Gruppe, Hersteller von Milchprodukten, will hier Abhilfe schaffen. Mit ihrem Projekt »Reducing Food Waste« sammelt sie weggeworfene Joghurts, Quarkbecher und Käsereste ein und verwertet sie als Tierfutter.

Als Grundlage für die Daten nahm die Studie die jährlichen Ausgaben für Nahrungsmittel in Israel: 88 Milliarden Schekel (umgerechnet fast 21 Milliarden Euro). Die Schätzungen, dass 30 bis 50 Prozent aller Lebensmittel weltweit verschwendet werden, gelten auch für Israel. »Somit«, gibt der staatliche Kontrolleur an, »werden jedes Jahr Speisen im Wert von rund 25 Milliarden Schekel vernichtet.«

Hunger Der Großteil davon allerdings müsste gar nicht auf den Müll, sind sich Experten einig. Denn neben den Überproduktionen und ausgemusterten Artikeln landen oft auch Produkte aufgrund unklarer Beschriftung im Abfall. Viele Waren im Supermarkt, erklärt die Studie, seien verwirrend ausgezeichnet; viele Konsumenten verstünden oft nicht die Unterschiede zwischen »zu verkaufen bis …«, »haltbar bis …« und »am besten vor … konsumieren«.

Im Dezember des Vorjahres hatte die Nationale Versicherungsanstalt Bituach Leumi bereits eine Studie veröffentlicht, die aufrütteln sollte: Mehr als 1,7 Millionen Israelis – darunter fast 820.000 Kinder – leben unterhalb der Armutsgrenze. Damit liegt Israel in Sachen Armut an zweiter Stelle der OECD-Staaten direkt hinter Mexiko.

Schapira hatte bereits damals herausgefunden, dass fast eine Million Einwohner, davon mehr als 300.000 Kinder, oft einen ganzen Tag lang ohne Essen auskommen und mit knurrenden Mägen ins Bett gehen müssen. Für sie ist Lebensmittelunsicherheit kein Fachbegriff, sondern traurige Realität. »Obwohl diese Unsicherheit nicht unbedingt lebensbedrohlich ist«, so Schapira, »hat sie doch Effekte auf die mentale und physische Gesundheit und verstärkt den Armutskreislauf.«

Eigentlich hätte sich längst ein Knesset-Komitee mit dem Problem der Lebensmittelunsicherheit beschäftigen, es genauer definieren und schließlich bekämpfen sollen. Doch das Komitee gehörte zur vergangenen Regierung, und die Arbeit ist auf Eis gelegt.

»Die Verschwendung von Nahrung ist ein weltweites Problem, das weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Umwelt hat«, erläutert Schapira. In Israel, das unter einem dauerhaften Mangel an Ressourcen, weit verbreiteter Armut, Lebensmittelunsicherheit und riesigen Müllkippen leidet, könnte es einen wirklichen Wandel bringen, wenn man sich dieses Problems annähme. »Denn Armut«, so Schapira, »ist kein Schicksal.«

To view the original article please visit:  http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/22383

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